Springbank 1997-2011, 14 Jahre Fresh Demerara Rum, Barrel No. 245 / 46%

Das erste der Zwillingsfässer wurde 2011 14-jährig mit 46 % abgefüllt und ergab 233 Flaschen. Der Whisky überzeugte mit einer vollendeten Mischung aus filigraner karibischer Rum-Süße und einer dezenten Springbank-Salznote. Der offizielle Verkauf ist abgeschlossen.

Springbank, 1997-2018, 21 Jahre Fresh Demerara Rum, Barrel No. 246, 162 Flaschen / 51,2%

Eindruck im Glas:

Der ungewohnt-gelb-olivegrüne Ton irritiert. Green Whisky?

Auch die “Beinchen” vermisst man zunächst – stattdessen sieht das Glas aus wie mit einem Glasschneider sauber abgeschnitten. Spät, sehr spät läuft etwas von dem extrem öligen Zeug dann doch hinunter. Ringsum bleiben dutzende Tröpfchen komplett hängen – FASZINIEREND!

Aroma:

Am Anfang frisch und saftig-süß mit deutlichen Rumnoten. Dann geht die Zauberei los:

Immer wieder anders! Bei jedem neuen Schnupper-Ansatz hat man andere Noten. Wenn irgendein Whisky Zeit zum Atmen braucht, dann dieser – nicht weil er am Anfang keine schöne Verheißung wäre, sondern weil man immer wieder ungläubig staunt, wie der sich im Laufe von wenigen Minuten komplett verändert: Mal karibischer Rum, dann Zuckerrohrschilf in der Meeresbrise, dann auf einmal Vanille, grüne Banane, Mango, Orange, Marmelade, schließlich ein Fruchtkompott mit viel Vanille gewürzt. Extrem komplex.

Nach langer Zeit (vielleicht 45 min…die nie langweilig werden), kommt auch noch deutlich eine Lakritznote durch – man würde nicht glauben, dass es sich um den gleichen Whisky wie zu Beginn handelt.

Geschmack:

Vorne auf der Zungenspitze dominiert die Süße und karibische Frische wie bei der ersten Nase. Die 51,2% haben nichts Scharfes. Sehr geschmeidig. Fast ist man enttäuscht, weil der Gaumen die Komplexität der Nase nicht halten kann, was aber kaum verwunderlich ist. Die Fruchtnoten muss man erst suchen – dafür empfiehlt sich der kleine Schluck. Die Süße bleibt von vorne bis hinten, am Ende wird nichts trocken oder bitter, nur ganz leicht und dezent die typische Springbank-Salznote – die Juni-Abfüllung hat eben schon viel vom Wintersalz wieder abgeatmet. Dafür bleibt der Rum, die 21 Jahre im Fresh Demerara Barrel kann er zu keinem Zeitpunkt leugnen.

Wasser? Eher nicht! Das Aroma verliert – Oh Wunder! – beträchtlich. Der Geschmack wird zuckrig-süß mit Bitternote. Aber: Wer’s mag…

Springbank, 1998-2018, 19 Jahre Fresh Oloroso, Hogshead No. 433, 220 Flaschen / 50,1%

Eindruck im Glas:

Bernsteinfarben. Relativ hell für einen Fresh Oloroso. Aber ölig ohne Ende. Die “Beinchen” lassen lange auf sich warten und ähneln dann eher Spinnweben. Ansonsten geschnittenes Glas, das aussieht wie der Kurs einer Achterbahn – beliebig wiederholbar durch Schwingen des Glases; diese Zeremonie macht hier besonders viel Spaß!

Aroma:                                                              

Sofort deutlich das klassische “dreckige Hafenbecken” der nach 1988 destillierten und im Sherryfass gelagerten Springbanks. Unverwechselbar! Dann aber fruchtige Noten und Milchschokolade immer mehr entwickelnd. Ein Riegel Kinderschokolade, der in die Öllachen durchtränkten Wasser des Hafenkais gefallen ist.

Geschmack:

Explodierend süß und fruchtig! Was für ein Empfang! Dahinter aber sofort wieder das Hafenbecken des Aromas mit seinen Öllachen, angeschwemmten Holzresten und halben Heringsköpfen. Gummi, Teer, Salz. Auch im Geschmack muss man die Schoko- und Fruchtnoten erst suchen, findet sie aber köstlich versteckt, besonders vorne auf der Zungenspitze mit einer wunderbaren Sahnigkeit – hier scheint die Yogurette ins dreckige Hafenwasser gefallen zu sein.

Wasser? Nicht grundsätzlich abzulehnen. Mit der richtigen Mischung ( vielleicht 2 Tröpfchen auf 2 cl) kommen die sahnigen Schoko- und Fruchtnoten besser ‘raus. Aber die Komplexität gewinnt dadurch nicht unbedingt.

Warnung! Nach diesem Malt schmeckt selbst manch erstklassiger Islay in Cask Strength wässrig! Die andere Liga, in der dieser Springbank Single Cask spielt, zeigt sich daran, dass danach kaum mehr was anderes geht.

Also: Wer’s ausprobieren möchte…

Sound of Islay (Caol Ila), 2009-2018, 9 Jahre / 15 Monate P.X.-Octave Finish, 72 Flaschen / 58,4 %

Eindruck in der Flasche:

Das Erlebnis eines RAW CASKs wie diesem ist spektakulär! Weil nicht mal grob gefiltert, sind sämtliche zähen Öle und Sedimente noch in der Flasche. Schüttelt man die, wird der klare Malt sofort extrem eingetrübt, und man meint, einen völlig anderen Whisky vor sich zu haben. Das funktioniert sogar noch bei 30°C!

Eindruck im Glas:

Wie nicht anders zu erwarten, bleibt ganz viel oben am Glas kleben. Etwas klarer als in der Flasche wirkt er schon, aber immer noch deutlich naturtrüb.

Aroma:

Rosinige Süße empfängt einen so gewaltig, dass erst die zweite Nase den Islay verrät. Man will es nicht glauben – dann aber doch deutlich geräucherter Schinken, der eine

wunderschön-harmonische Verbindung mit der P.X.-Süße eingeht. Die Fruchtnoten werden vielfältiger- reife Pflaume kommt neben der Rosine durch. Das Wasser läuft einem aber schon so im Mund zusammen, dass man unmöglich noch länger warten kann…

Geschmack:

Unglaubliche Süße! Wunderbar tranig-intensiv-fruchtig-rosinig. Die Verheißung enttäuscht nicht, was man kaum glauben mag. Während man noch schwelgt, kommt langsam aber gewaltig wie eine mächtige Welle von hinten nach vorne Torf, Rauch, Salz, Speckigkeit, Holzkohle…die komplette Islay-Palette. Die Süße bleibt aber bei aller Islay-Heftigkeit. Erstaunlich! Hier zeigt sich, wie wundervoll ein auf Islay gelagerter Caol Ila im Gegensatz zu den durch die Bank schwachen Originalabfüllungen schmecken kann. Da ist alles, was ich an Islay liebe, und ich weiss wieder, warum Caol Ila immer mein Lieblings-Islay war:

Dreckig-speckig wie ein völlig vergammelter und vermadeter Schiffs-Schinken, auf den hin und wieder eine salzige Meereswoge schwappt.

Wasser? Die Nase verliert kaum, was um so erstaunlicher ist, als man gefinishte Malts meist nicht durch ein paar Tropfen aufschließen kann. Aber der Geschmack leidet doch: Es geht in Richtung Tinktur, die Breite der verschiedenen Kongeneren wird eingeengt. Lieber nicht.

Glenglassaugh, 2012 - ?, Fresh Oloroso-Butt / Fresh P.X.-Butt

Auch beim Malt Whisky kommen und gehen die Stars. Whiskys, die Anfang der 90er Jahre zu den Rolls Royce unter den Whiskys gehörten, haben heute einen eher zweifelhaften Ruf. Genau umgekehrt verhält es sich mit Glenglassaugh. Noch vor wenigen Jahren fristete diese Destillerie ein eher wenig beachtetes Dasein. Inzwischen ist sie jedoch zum unumstrittenen Geheimtipp der Fachleute geworden. Umso stolzer sind wir darauf, in Glenglassaugh zwei Butts liegen zu haben, ein Fresh Oloroso- und ein P.X.-Fass. Das ist umso bemerkenswerter, als es vermutlich die letzten Fässer waren, die in Glenglassaugh an einen unabhängigen Abfüller verkauft wurden. Denn drei Monate nach dem Kauf unserer Fässer wurde die Destillerie selber verkauft, und zwar an die Walker-Gruppe, die bekanntermaßen keinerlei Fässer abgibt.

Inzwischen wurde die Walker-Gruppe selbst verkauft - und zwar an Brown Forman, den Besitzer von Jack Daniels. Ein gewaltiger Grund mehr, die unabhängig besessenen Fässer gut zu hüten und zu pflegen.